

Die Cannabispflanze hat schon viele Tausend Jahre einen Platz in der Menschheitsgeschichte. Nicht immer wurde sie als illegale Droge angesehen. Ein Überblick.
Um sich der Geschichte von Cannabis anzunähern, lohnt ein Blick Richtung Asien, wo die Hanfblätter als Kultur- und Heilpflanze bereits vor Tausenden Jahren verwendet wurden. Die Geschichte von Cannabis in Deutschland ist hingegen besonders geprägt von Hanf als Nutzpflanze zur Herstellung von Papier oder Seilen. Während hierzulande derzeit eine Legalisierung von Cannabis seitens der deutschen Bundesregierung angestrebt wird, durchläuft die Pflanze in anderen Ländern wie den USA oder den Niederlanden schon länger einen Prozess der Entkriminalisierung und wird von der Politik liberaler betrachtet.
Cannabis gilt in vielen Kreisen der Welt als älteste Kulturpflanze und wurde bereits vor 12 000 Jahren in Persien und China als Getreide angebaut. Auch in Indien legte man schon vor 5 000 Jahren verletzten Kriegern Hanfblätter auf die Wunden, um die Schmerzen zu lindern. In der ayurvedischen Kultur wurde die Pflanze aufgrund ihrer halluzinogenen Wirkung vom enthaltenen THC geschätzt. Zum Einsatz kam der Konsum von Cannabis zum Beispiel beim Meditieren oder um Ängste und Stress zu behandeln. Anders als in China und Indien wurde der berauschenden Wirkung in Europa zuerst wenig Bedeutung beigemessen. Die Hanfprodukte gelangten über den Seeweg nach Griechenland, wo sie als Segel für Schiffe oder andere nützliche Materialien verwendet wurden.
Der Konsum und Verkauf von Cannabis wird in den europäischen Staaten sehr unterschiedlich reguliert. Sogar die Niederlande überraschen mit stärkeren Regulierungen als man vielleicht vermuten würde.
Die Cannabispflanze fand auf diversen Kontinenten und Ländern als Kulturpflanze ihren ersten Nutzen – auch in Deutschland: Hier wurde ab dem 13. Jahrhundert aus der Hanfpflanze Papier hergestellt und für den Buchdruck verwendet. Im Jahr 1455 druckten die Menschen die erste Gutenberg-Bibel auf Blättern, die aus Cannabisfasern gepresst wurden. Eine weitere Verwendung von Hanf galt – und gilt bis heute – der Herstellung von Garnen und Seilen. Die widerstandsfähigen Fasern boten einen nützlichen Rohstoff für die damalige Textilwirtschaft. Im 17. Jahrhundert wurden Cannabispflanzen in Deutschland besonders stark angebaut.
Das Verbot für den Freizeitkonsum Anfang des 20. Jahrhunderts hatte allerdings einen negativen Einfluss auf die landwirtschaftliche Nutzung. Erst seit 1996 dürfen Landwirt:innen Cannabis wieder als Nutzpflanze auf ihren Feldern anbauen. Seitdem werden die Vorteile der Pflanze für die ökologische Landwirtschaft wiederentdeckt: Hanf wächst schnell, bildet tiefe Wurzeln und braucht dadurch weniger Wasser für die Bewässerung der Flächen. Auch Schädlinge wie Läuse oder Pilze sind sehr selten auf der Hanfpflanze zu finden. Dass sie zudem weniger Anbaufläche als Holz benötigt, macht sie auch aus ökologischer Sicht interessant.
Schon gewusst?
Cannabis ist das lateinische Wort für Hanf. Das bedeutet, es gibt keinen Unterschied zwischen den beiden Begriffen. Hanf und Cannabis könnten demnach synonym verwendet werden. In Deutschland wird Cannabis aber häufig als Oberbegriff für die vielen verschiedenen Hanfpflanzen und THC-haltigen Produkte genutzt.
Der deutsche SPD-Politiker Burkhard Blienert ist seit 2021 Beauftragter der Bundesregierung für Drogen- und Suchtfragen und hält das Cannabis-Verbot für gescheitert. Aber wann wurde Cannabis in Deutschland eigentlich verboten? Und warum? „Das Cannabis-Verbot ist keine deutsche Erfindung“, sagt Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands. In der Tat wurde die erste Debatte über die Eindämmung des Cannabishandels 1912 auf der Internationalen Opiumkonferenz geführt. Eins der großen Mitgliedsländer dieser Konferenz waren die USA – wo die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Hanfpflanze von unterschiedlichen Wirtschaftszweigen als große strategische Bedrohung empfunden wurde. Ebenso strategisch wurde daher nun das öffentliche Bild von Cannabis Schritt für Schritt einer wundersamen Wandlung unterzogen. Es kam zunehmend zu einer skurrilen Projektion rassistischer Stereotype und paranoider Phobien auf die Pflanze: So unterstellte man ihr die finstere Macht, noch den friedlichsten Menschen zur Killerbestie umzudrehen. Mit dem Poison Act von 1913 erging in Kalifornien ein Verbot von Marihuana. Zahlreiche Staaten, darunter Washington im Jahre 1923, folgten dem Beispiel. Auch in Ländern außerhalb der USA wurde nun zunehmend auf Prohibition gedrängt: In Deutschland trat das Verbot von Cannabis 1929 in Kraft. In den USA selbst wurde das flächendeckende Verbot erst möglich, nachdem man den Mord eines psychisch auffälligen Jugendlichen an seiner Familie fälschlicherweise mit Marihuana in Verbindung brachte – und seine eigentliche Erkrankungsgeschichte wohlweislich unerwähnt ließ.
Politiker:innen diskutieren mit der Gesellschaft sowie der Wirtschaft seit vielen Jahren über den richtigen Umgang mit Cannabis. Im Jahr 2015 hat Deutschland den regulierten Import von anderthalb Tonnen pro Jahr für wissenschaftliche Zwecke, Studien und medizinische Ausnahmeverschreibungen beschlossen. Als 2017 das Cannabis-Gesetz griff, durch das seitdem Ärzt:innen ihren Patient:innen mit einer schwerwiegenden Krankheit unter bestimmten Voraussetzungen Cannabis als Medizin verschreiben dürfen, stieg die Importmenge auf zehn Tonnen pro Jahr. Diese verdoppelte sich 2019 und erreichte 2020 sogar 28 Tonnen. Bis 2028 wird das Marktvolumen für medizinisches Cannabis in Deutschland von Analyst:innen auf knapp acht Milliarden Euro geschätzt. Die Nachfrage steigt weiter.
Die neue Bundesregierung spricht sich in ihrem im Winter 2021 geschlossenen Koalitionsvertrag nun auch für eine kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken aus, doch der Umsetzungsprozess ist komplex und vielschichtig. Wann und wie die angestrebte Legalisierung umgesetzt wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Es bleibt spannend.
Für allgemeine Anfragen verwenden Sie bitte diese E-Mail info@sanitygroup.com. Für spezifische Themen erreichen Sie das zuständige Team über hier angegebenen Seiten. Weitere Informationen zu Anbaukooperationen und Pilotstudien finden Sie außerdem im Footer.